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Das Berliner Eisenbahnnetz entstand im Wesentlichen in zwei großen Bauepochen. Die erste Epoche umfasste die Zeit von 1838 bis 1846, in der in einem weitmaschigen Netz Eisenbahnverbindungen mit allen wichtigen Orten Deutschlands ebenso entstanden wie mit vielen Gegenden im Ausland.
Seit den späten 1840er Jahren leitete der preußische Staat das Eisenbahnwesen behutsam über in weitgehend vereinheitliche Reglements für den Bau und den Betrieb der Bahnen. Das auf den Privatbahngedanken ausgerichtete Eisenbahnwesen beruhte jedoch auf dem schon am 3. November 1838 ergangenen "Gesetz über die Eisenbahn-Unternehmungen im Preußischen Staate und über die Verhältnisse der Eisenbahngesellschaften zum Staate und zum Publicum".
Die Eisenbahn entwickelte sich immer stärker zum Motor des technischen Fortschritts, aus dem ein wahrer Bahnbauboom erwuchs. In einer zweiten Bauepoche entstanden ab 1866 innerhalb von 13 Jahren weitere sechs neue Fernbahnen. Damit besaß Berlin ab 1879 nicht weniger als elf große Fernbahnstrecken, die strahlenförmig in alle Teile des Reichsgebietes führten. In Berlin waren die Bahnen ab 1851 zunächst durch die Alte Verbindungsbahn miteinander verbunden.
Im Nordwesten - zwischen dem Verkehrsgebiet der Berlin-Hamburger Bahn und jenem der Berliner Nordbahn - war noch eine größere Lücke verblieben, die zwar für den Bau einer weiteren großen Fernbahn nicht mehr in Frage kam, aber eine verkehrsmäßige Erschließung durch eine Eisenbahn dringend benötigte. Seit 1878 gab es eine "Bahnordnung für Deutsche Eisenbahnen untergeordneter Bedeutung", die die Möglichkeit bot, Eisenbahnstrecken auch in weniger wichtigen Verbindungen und mit verhältnismäßig geringem Kostenaufwand neu zu bauen und zu betreiben. Auf diesen Strecken blieb die Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h beschränkt, die Bewachung und Absperrung der Bahnübergänge bei Vorbeifahrt eines Zuges konnte entfallen, und gegenüber der regulären Bahnordnung waren noch weitere Sicherheitsbestimmungen gelockert.
Eine derartige Lösung bot sich für eine Eisenbahn in das Verkehrsgebiet zwischen der Hamburger Bahn und der Nordbahn an. Kein Mensch konnte damals ahnen, dass diese Bahn - die schon vor ihrer Eröffnung den Namen "Kremmener Bahn" erhielt - innerhalb weniger Jahre zu einer wichtigen Entwicklungsachse der Reichshauptstadt heranwachsen und zur Hauptbahn ausgebaut werden würde, und auch in den folgenden fast hundert Jahren ist das Schicksal der Kremmener Bahn von einem ständigen Auf und Ab - Neubau, Stilllegungen, Wiederaufbau - geprägt.
Die inzwischen fast 120 Jahre umfassende Geschichte der Kremmener Bahn ist - soweit sie die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg betrifft - in den fast vollständig erhaltenen und nach jahrzehntelangem Verschluss nun wieder zugänglichen Akten der früheren Königlichen Eisenbahn-Direktion zu Berlin und späteren Reichsbahndirektion Berlin eindrucksvoll dokumentiert. Um die zeitgeschichtliche Atmosphäre, insbesondere aber um das engagierte Wirken der damals Verantwortlichen beim Werden und Wachsen dieser Bahn deutlich werden zu lassen, sind in dem vorliegenden Buch in größerem Umfang Auszüge und Originaltexte aus den historischen Akten verwendet worden.
- Erschienen im November 2004
- 176 Seiten
- Format DIN A4 (Hochformat)
- Festeinband
- ca 250 Abbildungen
- 29,80 EUR
- ISBN 3-933254-52-3
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